Sprüche von Leben und Tod - geistliche Konzerte und Motetten
deutscher Komponisten des 17. Jahrhunderts

[Besetzung: SATTB und Laute]

Konzertkritiken

Cantus Cölln singt, wie es nur wenige auf der Welt können. Konrad Junghänels Vokalspezialisten für Alte Musik haben schon lange jenen Grad an Vollendung erreicht, den ein Ensemble hienieden erreichen kann. Sie musizieren aus einem Geist – und das mit einer ebenso großen Intelligenz wie Klangsinnlichkeit (vor allem darin, in der Wärme und dem schillernden Samt-Timbre ihres Ensembleklangs sind sie unübertroffen). ...wächst dessen Ausdrucksintensität im Laufe des Abends mehr und mehr, steigert, verdichtet sich bei den Werken von Heinrich Schütz zu inständiger Bitte, abgrundtiefer Trauer, hochfliegendem Jubel und füllt schließlich sogar die Pausen, die Stille zwischen den Tönen: Nie war der Tod Jacobs, wie ihn Johann Hermann Schein vertont hat, so bewegend. Bei Cantus Cölln ist es zu hören: das Innehalten, erschrecken und Staunen über das größte Mysterium der welt, den Tod. Und zu hören ist auch eine Art Verwandlung – die Verwandlung in schiere, schwerelose, leuchtende Schönheit. Das passt gut zu einem Ensemble, dessen Interpretationen in sich ruhen, Wort und Klang mt höchster Sensibilität in Balance bringen und eher auf sanfte Entrückung denn schäumende Ekstase, eher auf deklamatorische Durchdringung denn aud lautstarke Dramatisierung zielen. Dass gerade das unmittelbar vergegenwärtigte Sterben des biblischen Jakobs eine solche Wirkung entfaltet, hatte seinen Grund in der klugen Dramaturgie des Programmes, das „Deutsche Sprüche von Leben und Tod“ überschrieben war: Der Titel eines späten Zyklus von Leonhard Lechners umreisst den gedanklichen Zusammenhang des ganzen Abends, der ein einziges Memento Mori war. Viel also sprechen die Motetten und geistlichen Konzerte von Schein, Lechner, Albert, Schütz und Rosenmüller über Müh, Plag und Leiden und vom Tod, dem letztendlich doch keiner entgeht. Aber selbstverständlich auch von Gott, dem Vertrauen auf ihn und von ewigen Freuden des Himmels... Man sieht: in jeder Hinsicht ein Konzert zum Staunen, ein Konzert der Wunder.
Fränkische Landeszeitung, Thomas Wirth, 17.06.2002

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